Der Tag, an dem die Niere schwieg

20. Januar 2025

Wir hatten gerade Silvester hinter uns, haben angestoßen und uns ein tolles, gesundes neues Jahr gewünscht. Daraus sollte wohl dieses Jahr nichts werden.

Ich bin 53 und arbeite als OP-Schwester in einer kleinen Klinik in Niedersachsen. Ich kenne den Laden also von innen, und normalerweise haut mich so schnell nichts um.

 

 

Ein ganz normaler Montag... dachte ich.

 

Ich stand im OP, alles Routine. Aber da war dieses Druckgefühl in der linken Flanke. Erst dachte ich: „Ach, das geht schon weg.“ Aber nix da. Es wurde immer stärker. Irgendwann wusste ich nicht mehr, ob ich stehen oder sitzen soll.

Ich hab dann eine unserer Ärztinnen gefragt: „Du, kannst du mal kurz mit dem Ultraschall schauen? Da stimmt was nicht.“

Und dann kam’s: Die linke Niere war gestaut. Kindskopfgroß.

Da rutscht einem erstmal das Herz in die Hose. Sofort ab zum CT, Blutabnahme, Notaufnahme. Und wie das so ist: Die Bude war rappelvoll. Ich hab eine Liege auf dem Flur bekommen, schön „gemütlich“ vor dem Fahrstuhl, zusammen mit drei anderen Patienten. Na super.
Ich sag nur: „Danke Mitarbeiter-Card!“ Die Schwestern waren zwar im Stress (kenn ich ja nur zu gut), aber als die CT-Bilder da waren, gab’s endlich die langersehnte Schmerzinfusion. Mittlerweile konnte ich kaum noch liegen vor Schmerzen.

 

 

 

Der Befund

 

Computertomografie des Abdomens nativ vom 20.01.2025 (16:59 Uhr)
Beurteilung li.: Massive Stauung des li. Nierenbecken und linke Nierenkelche.
Linker Harnleiter nicht erweitert.
Nativdiagnostisch kein Hinweis auf einen Tumor.

Mein Platz auf dem Flur in der Notaufnahme.

 

 

 

Wenigstens nichts Bösartiges!!! Das war der erste Gedanke. Aber die Niere war dicht.

Der Arzt hat alle Kliniken mit Urologie in der Nähe abtelefoniert, aber leider gab es keine Möglichkeit, mich zu verlegen. Keiner hatte Platz. Also blieb ich erstmal hier, Schmerzmittel rein, Nacht überstehen. Am nächsten Morgen sollte es in eine Klinik mit einer urologischen Abteilung gehen, die 1,5 Stunden Fahrt entfernt war, wo ich ambulant eine „DJ-Schiene“ bekommen sollte.

Klingt wie Musik, ist aber ein Schlauch im Harnleiter. Juhu.

DJ Schiene: Klingt wie Party, ist aber keine

21. Januar 2025

 

 

Am nächsten Morgen ging es also in die Urologie zur ambulanten OP. Ich sollte eine „DJ Schiene“ bekommen. Das klingt für Laien vielleicht wie ein cooler Act im Club, ist aber tatsächlich ein Doppel-J-Katheter – ein dünner Schlauch, der von der Niere in die Blase führt, um den Urin am Hindernis vorbei zu leiten.

Der Krankentransport war super, ich kannte das Team sogar (Kleinstadt halt). In der Notaufnahme ging es auch fix. Ein sehr netter Arzt hat mich aufgeklärt, und dann hieß es: Warten.

Wieder eine Liege auf dem Flur. Umziehen durfte ich mich netterweise auf der Personaltoilette. Dann der modische Höhepunkt eines jeden Klinikaufenthalts: Flügelhemd und Netzhose. Ein Traum in Weiß.

 

 

 

Mit Propofol ist alles schön

Geplant war der Eingriff (Cystoskopie) eigentlich ohne Narkose. Aber zum Glück war die Anästhesie „stand-by“. Und was soll ich sagen: Ohne ging es natürlich nicht. Danke, liebe Schwester Gitty! Mit Propofol ist die Welt einfach kurz mal in Ordnung. Man schläft ein, wacht auf, und es ist vorbei. Zumindest der Teil.

Nach der OP wurde ich wieder auf den Flur geschoben. „Noch etwas ausruhen“, hieß es. Pustekuchen. Neben mir lag eine ältere, demente Dame. Sie wusste nicht, wo sie war, warum sie da war, und sie wollte nur eins: Nach Hause.

Sie hat gerufen. Geschrien. Am Bettgitter gerüttelt. Immer hysterischer. Niemand konnte sie beruhigen. Es war kaum auszuhalten, weder für sie noch für mich. Nach 45 Minuten habe ich kapituliert. Ich habe meinen Mann angerufen: „Hol mich hier raus.“

Ich hab mir auf dem Flur meine Sachen angezogen und wollte nur noch weg. Die Blase hat gebrannt wie Feuer. Es fühlte sich an, als ob ich mich die ganze Zeit einnässen würde (was dank der Schiene ein normales Gefühl ist, aber macht es nicht besser). Zum Abschluss wurde noch schnell der Zugang gezogen, Papiere in die Hand gedrückt, und ab zum Ausgang.

Wir nehmen keine Patienten mehr an

21. Januar 2025

Der Arzt in der Klinik hatte mir noch einen gut gemeinten Rat gegeben: „Suchen Sie sich einen niedergelassenen Urologen in der Nähe für die Kontrolle.“

Kein Problem, dachte ich. Haha.

Noch auf der Rückfahrt habe ich zwei, drei Praxen angerufen. Die Antwort war immer die gleiche, mal freundlich, mal weniger: „Wir nehmen keine neuen Patienten an.“

Super. Da stehst du nun mit deiner Schiene, Schmerzen und der Frage: Und nun?

 

 

Die Facharztproblematik

Der Klostuhl

Alle 5 Minuten

An den restlichen Tag erinnere ich mich kaum. Ich weiß nur eins: Die Nacht war die Hölle. Ich musste gefühlt alle 5 Minuten zur Toilette. Vielleicht waren es auch 15 oder 30, aber ich bin quasi zwischen Bett und Bad gependelt. Schlaf? Fehlanzeige. Pippi machen und Wasser trinken (damit die Schiene nicht verstopft) bestimmten mein Leben.

Und jetzt kommt der Teil mit dem Galgenhumor: Zum Glück hatte ich zu meinem 50. Geburtstag als Scherzgeschenk einen Klostuhl bekommen!

Unser Bad ist nämlich eine Etage tiefer. Wenn ich in dieser Nacht zehnmal die Treppe hätte runterlaufen müssen, hätte ich mir gleich unten ein Lager aufschlagen können. So aber... naja, man muss nehmen, was man hat.

Es war der Beginn einer langen Freundschaft mit dem Badezimmer.

Ein Lichtblick mit bitterem Beigeschmack

23. Januar 2025

Nach der ersten OP und dem Einsetzen der Schiene dachte ich, jetzt kehrt etwas Ruhe ein. Pustekuchen. Der eigentliche Kampf fing gerade erst an – und zwar nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen manche Ärzte.

Meine Hausarztpraxis besorgte mir zeitnah einen Termin bei einem Urologen vor Ort.

Der erste Eindruck? Eigentlich ganz gut. Er wirkte nett, checkte sofort, ob die Schiene richtig sitzt und gab Entwarnung: Die Niere war zum Glück nicht mehr gestaut. Ein kurzes Aufatmen. Aber natürlich gab es das obligatorische „Pröbchen Urin“  (das ist ein Muss bei jedem Urologenbesuch)– und das Ergebnis war so klar wie deprimierend: Infekt in der Blase. Also gab es erst einmal Antibiotika und eine Überweisung zur Isotopennephrographie, zu der ich in circa sechs Wochen gehen sollte, um zu sehen, wie die Niere arbeitet.

Die Diagnose: Rettung oder Risiko!

Dann sprachen wir über die Zukunft. Falls sich die Niere erholt und noch genug Funktion zeigt, stünde eine sogenannte Nierenbeckenplastik im Raum. Was im ersten Moment nach einer Lösung klang, traf mich wie ein Schlag in die Magengrube.

 

 

 

Ich wusste sofort: Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine riesige OP. Der Harnleiter wird neu verlegt, das geweitete Nierenbecken rekonstruiert – eine absolute Millimeterarbeit. Wenn da nur eine Kleinigkeit schiefgeht, ist die Niere weg. Komplikationen, Folge-OPs, das volle Programm. In meinem Kopf lief bereits der Film ab, wie ich am Ende an der Dialyse lande. Diese Gedanken machen dich einfach fertig.

Die Jagd nach dem Roboter

Ich konnte nicht einfach abwarten. Ich hing tagelang im Internet, habe recherchiert, gelesen und mich regelrecht festgebissen. Dabei stieß ich auf die „DaVinci“-Robotertechnik. Laparoskopisch, schonend, hochpräzise. Das war meine einzige Hoffnung.

 

 

 

Aber wer hat diesen Roboter? Wer beherrscht ihn wirklich? Wer macht das nicht nur einmal im Jahr, sondern hat die nötige Routine? Meine Gedanken kreisten nur noch um diese eine Frage. Ich musste die passende Klinik finden – koste es, was es wolle.

Und tatsächlich: Meine Suche sollte mich an einen ganz bestimmten Ort führen...

Zwischen sterilen Handschuhen und der Toilette

3. Februar 2025

Nach zwei Wochen dachte ich: „Komm, das geht schon wieder.“ Ich wollte zurück in meinen Alltag, zurück in den OP. Aber als OP-Schwester ist „Dienst nach Vorschrift“ ein Fremdwort – und mein Körper hat mir sehr schnell gezeigt, was er von diesem Wiedereinstieg hielt.

 

Der sterile Albtraum 

Es ist ein bizarrer Moment: Ich hatte mich gerade frisch für eine OP gewaschen, alles war steril, die Konzentration stieg. Und genau in diesem Moment meldete sich meine Blase. Schon wieder. Der Eingriff hatte noch nicht einmal begonnen, da hätte ich eigentlich schon wieder rennen können.

Ständig dieses Gefühl. Ständig der Druck. In den nächsten Tagen wurde es nicht besser. Ich verbrachte gefühlt mehr Zeit damit, schnell aus dem Saal zu flitzen und zur Toilette zu jagen, als am Instrumententisch zu stehen.

 

Kriechen statt Gehen 

Das schwere Heben, das ständige Laufen auf den harten Klinikfluren – mein Körper hat mir den Rest gegeben. Nach Feierabend war ich kein Mensch mehr. Ich bin förmlich zum Auto gekrochen, die Schmerzen im Rücken und in der Blase waren kaum noch auszuhalten. Zu Hause angekommen, zählte nur noch eins: Hinlegen und den Schmerz irgendwie wegatmen.

Einfach mal den Daumen hoch: Trotz Schiene und Schmerzen ziehe ich den Dienst durch.

 

Wenn die Belastung zu groß war, kam die Quittung prompt: Der Urin war blutig. Ein Anblick, der jedes Mal aufs Neue Angst macht. Und als wäre das nicht genug, kam die nächste Hiobsbotschaft...

 

Der ewige Kreislauf 

Es dauerte nicht lange, bis die nächste Infektion in der Blase wütete. Wieder Antibiotika. Wieder diese Chemie, die mich eigentlich aufrecht halten sollte, während mein Körper innerlich rebellierte.

Ich fing an zu begreifen: So kann es nicht weitergehen. Doch die größte Hürde lag noch vor mir...

Zwischen Hoffen und Bangen

3. März 2025

Die Jagd nach Gewissheit

Der Tag fühlte sich an wie ein Schicksalstag. Endlich stand die Nierenszintigraphie an – die Untersuchung, die über meine Zukunft entscheiden sollte. In meinem Kopf drehte sich alles nur um zwei Fragen: Ist eine Nierenbeckenplastik überhaupt noch möglich? Und wie viel Kraft steckt eigentlich noch in diesem Organ, das mir so viel Kummer bereitet?

2 Wochen im Gefühls-Vakuum

Was dann folgte, war eine Zerreißprobe für meine Nerven. Es hieß: Warten. Zwei Wochen lang, bis der Befund endlich eintrudeln sollte. In dieser Zeit war ich ein Wrack. Hoffnung und Zweifel gaben sich bei mir ständig die Klinke in die Hand. In der einen Minute war ich sicher, dass alles gut wird, in der nächsten sah ich mich schon im OP-Hemd für den schlimmsten Fall.

DaVinci: Wenn Technik zum Hoffnungsträger wird.

 

Nierenszintigraphie

Der rettende Anker in Hamburg

Doch ich konnte nicht nur herumsitzen und warten. Mitten in diesem Gefühlschaos bekam ich einen Tipp, der sich wie ein Sechser im Lotto anfühlte: Ein Spezialist für die DaVinci-Roboter-OP in Hamburg. Jemand, der diese filigrane Technik wirklich beherrscht.

Ich fackelte nicht lange und schrieb ihm meine ganze Geschichte. Und dann die Überraschung: Er meldete sich zeitnah zurück! Er gab mir das Gefühl, kein „hoffnungsloser Fall“ zu sein. Er wollte die OP bei mir durchführen und sich persönlich um mich kümmern. Der Plan stand: Sobald die Ergebnisse der Szintigraphie da sind, gehen wir es an.

Ich hatte einen Profi an meiner Seite. Jetzt fehlte nur noch das „Go“ von meinen Nierenwerten. Aber das Schicksal hatte eigene Pläne...

Das Todesurteil für meine Hoffnung: 15 Prozent

26. März 2025

Es sollte der Tag der Entscheidung werden. Endlich hielt ich den Befund des Nierenszintigramms in den Händen. Ich hatte so sehr gehofft, so sehr gebetet, dass die Werte zeigen würden: „Alles okay, wir können operieren.“

Doch als ich das Papier las, fühlte es sich an wie ein Schlag direkt in die Magengrube.

 

 

Die bittere Zahl 15 Prozent 

 

Meine linke Niere leistete nur noch schlappe 15 Prozent. Ich starrte auf die Zahl, und die Welt um mich herum wurde plötzlich ganz leise. Ich war am Boden zerstört. All der Kampf, all das Durchhalten – und dann das. Die Hoffnung, die ich mir mühsam aufgebaut hatte, zerplatzte wie eine Seifenblase.

 

 

Das Telefonat, das alles veränderte 

 

Zitternd rief ich den Professor in Hamburg an. Er war meine letzte Rettung, doch seine Worte machten alles nur noch schlimmer. Die harte medizinische Grenze: Eine Nierenbeckenplastik macht man erst ab einer Funktion von mindestens 20 Prozent. Darunter ist das Risiko zu groß, der Erfolg zu ungewiss.

Ich lag fünf Prozent unter dem Limit. Fünf Prozent, die über meine Zukunft entschieden. Meine Nerven lagen blank, ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

 

 

Gefangen in der Warteschleife 

 

Die Konsequenz aus diesem Befund war wie ein schlechter Film: Ich sollte wieder eine neue Schiene bekommen und ein weiteres halbes Jahr warten. Ein halbes Jahr, in dem sich die Niere vielleicht erholt – oder eben auch nicht.

Und als ob das psychisch nicht schon genug wäre, tickte die biologische Uhr gnadenlos gegen mich. Eine DJ-Schiene darf im Schnitt nur drei Monate im Körper bleiben, bevor sie gewechselt werden muss. Und meine Zeit war fast abgelaufen. Das bedeutete: Zurück ins Krankenhaus, zurück auf den OP-Tisch, nur um den Fremdkörper in mir auszutauschen.

Ich fühlte mich wie in einer Sackgasse, aus der es kein Entkommen gab. Aber es sollte noch dicker kommen...

Wenn der Arzt zum Gegner wird

3. April 2025

Ich hatte den Termin beim Urologen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich war ohnehin schon ein Nervenbündel – der 15-Prozent-Befund der Szintigraphie lastete schwer auf meiner Seele. Ich brauchte einen Arzt, der mich auffängt. Was ich stattdessen bekam, war ein menschlicher Abgrund.

Gekränkte Ehre statt Empathie

 

Es dauerte nicht lange, bis die Stimmung kippte. Mein Urologe fühlte sich in seiner persönlichen „Ehre“ zutiefst beleidigt. Warum? Weil ich es gewagt hatte, mir eigenmächtig einen Profi in Hamburg zu suchen. Anstatt mich zu unterstützen, gab es Beschimpfungen. Ich fühlte mich wie eine Bittstellerin, die etwas Unverzeihliches getan hatte.

Dann die Untersuchung: Urin abgeben, Blase leeren, ab auf die Liege. Mit freiem Bauch lag ich da. Zwanzig Minuten lang starrte ich die Decke an, während ich mich vollkommen ausgeliefert fühlte. Als er endlich reinkam, war die Atmosphäre eisig. Da ich viel trinken muss, war die Blase natürlich wieder voll und die Niere durch die Schiene leicht gestaut.

Patienten wie Sie rauben mir die Zeit!

Anstatt das medizinisch sachlich zu bewerten, blaffte er mich in einem unfassbar patzigen Ton an: „Patienten wie Sie rauben mir die Zeit! Trinken literweise Wasser vor dem Termin!“

Und dann der absolute Hammer: „Sie müssen jetzt einen Katheter bekommen. Ich gehe nämlich eine Woche in den Urlaub. Dann bleibt der Katheter halt so lange drin. Fertig!“

Tränen im Wartezimmer

 

Ich war fassungslos. Ein Dauerkatheter – nur weil er in den Urlaub will? Ich brach völlig zusammen und fing an zu weinen. Erst die niederschmetternde Nachricht über meine Nierenfunktion und jetzt diese Demütigung. Wie sollte ich mit einem Katheter als OP-Schwester arbeiten gehen? Wie sollte ich so überhaupt den Alltag meistern?

Ich sollte die Blase noch einmal entleeren und mich dann eine halbe Stunde ins Wartezimmer setzen, damit der Urin aus der Niere ablaufen konnte. Da saß ich nun, zwischen all den anderen Patienten, und habe einfach nur noch bitterlich geheult. In meinem Kopf habe ich nur noch gebetet: "Bitte, lieber Gott, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Lass mich um diesen Schlauch herumkommen."

Ein kleiner Sieg in der Verzweifelung

 

Der ganze Tag war eine einzige Katastrophe, ich war zu nichts mehr in der Lage und habe nur noch geweint. Doch am Ende gab es zumindest in einem Punkt Entwarnung: Die Untersuchung nach der Wartezeit zeigte wohl, dass es doch ohne ging. Ich habe den Katheter letztendlich nicht bekommen. Ein winziger Funken Erleichterung in einem Meer aus Verzweiflung.

Die Praxis fertigte mich schließlich ab: Sie machten mir einen Termin zum Schienenwechsel in einer Klinik in der Nähe und drückten mir die Einweisung in die Hand.

Wieder ein Krankenhaus, wieder ein Eingriff. Und die Ungewissheit, wie lange meine Niere das noch mitmacht...

Nullnummer in der Klinik – und ein Schlag unter die Gürtellinie

Warten auf das Nichts 

 

In der Klinik angekommen: das übliche Spiel. Erst eine Stunde im Wartezimmer, dann endlich die OP-Vorbereitung. Und dann? Warten. Wieder einmal. Mir war schlecht vor Hunger, flau vor Aufregung und meine Blase brüllte mich förmlich an. Durch die ständigen Infektionen und den Reiz der Schiene rannte ich alle paar Minuten Richtung Toilette. Die Zeit kroch wie eine Schnecke dahin.

Gegen 13:00 Uhr dann die Stimme auf dem Flur. Mein Name. Endlich, dachte ich. Doch der Arzt, der reinkam, hatte kein Skalpell dabei, sondern eine Hiobsbotschaft: „Notfall. Heute wird das nichts mehr.“ Ich war fassungslos. Die ganze Angst, der Stress, die weite Fahrt, der veränderte Dienstplan meines Mannes – alles für die Katz. Alles wieder auf Anfang. Ich hätte mitten im Krankenhausflur losheulen können.

 

 

„Stellen Sie sich nicht so an!“ 

 

Die nächsten Tage im Dienst waren die reinste Qual. Als OP-Schwester viel zu trinken, ist ohnehin ein logistisches Meisterwerk, das meistens scheitert. Und das permanente Gefühl, sofort zur Toilette zu müssen, nur um unter Tränen ein paar Tropfen blutigen Urin herauszupressen... es war zermürbend. Ich war am Ende meiner Kräfte.

Ich suchte meinen Urologen auf. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr. Ich bat ihn um eine Krankmeldung, weil die Schmerzen und der Harndrang ein normales Arbeiten unmöglich machten. Seine Reaktion? Ein Schlag mitten ins Gesicht: „Gute Frau, andere arbeiten auf dem Bau mit so einer Schiene. Also stellen Sie sich nicht so an!“

Danke für nichts. In diesem Moment wurde mir klar: Hier kämpfe ich nicht nur gegen eine kaputte Niere, sondern auch gegen ein System und Ärzte, die offenbar vergessen haben, was Empathie bedeutet.

24. April 2025

Es sollte endlich der Tag werden, an dem die alte Schiene rauskommt. Ich war ein nervliches Wrack. Gott sei Dank hatte mein Mann sich freigenommen. Allein die Fahrt zur Tagesklinik wäre für mich unmöglich gewesen – die Aufregung saß mir im Nacken, und die Aussicht auf die Vollnarkose tat ihr Übriges.

 

 

 

Foto von Petr Magera auf Unsplash

Der zweite Versuch – und das Surfbrett

5. Mai 2025

Zweiter Anlauf 

Wieder hat sich mein Mann frei genommen, wieder die Fahrt in die Nachbarstadt – dieses Mal in eine Klinik in einem Nachbarlandkreis. Mein Puls war auf 180. Der Termin war wieder spät angesetzt, und die Angst saß mir im Nacken: Fliege ich wieder vom OP-Plan? Doch dieses Mal sollte es klappen.

 

Ein bekanntes Gesicht im OP 

In der Tagesklinik ging alles ganz schnell: Nachthemd an, Netzhose verpasst, ab in den Vorbereitungsraum. Dort traf ich auf eine unglaublich nette, redselige Anästhesieschwester. Wir quatschten uns fest, was mir die Panik ein wenig nahm. Und dann der Zufall: Mein Narkosearzt betrat den Raum – ein ehemaliger Kollege, mit dem ich jahrelang zusammengearbeitet hatte. „Wir passen gut auf dich aus“, versprachen sie. Mit diesem sicheren Gefühl glitt ich in den Schlaf.

 

Das böse Erwachen: Wenn man die Kontrolle verliert 

Was dann folgte, war eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. 

 

Als ich aus der Narkose erwachte, hieß es: Aufstehen, anziehen, nach Hause. Doch als ich aufstand, passierte es: Gefühlt literweise lief mir Flüssigkeit – Urin, Spülflüssigkeit – einfach die Beine runter.

„Das ist bestimmt normal nach dem Eingriff“, dachte ich mir noch. „Es ist ja alles betäubt.“ Doch es wurde nicht besser. Als mich meine Freundin zu Hause absetzte, saß ich schon wieder komplett im Nassen. Die bittere Erkenntnis sickerte ein: Ich war absolut undicht. Ich hatte null Kontrolle.

 

Eine Nacht auf „Surfbrettern“ 

Mein Mann raste zur Apotheke und deckte mich mit riesigen Inkontinenzeinlagen und Unterlagen ein – wir nannten sie nur noch „Surfbretter“. Die Nacht war ein einziger, erschöpfender Albtraum. Permanent musste ich meine „Verpackung“ wechseln, an Schlaf war kaum zu denken. In dieser Nacht sah ich meine Zukunft vor mir: Werde ich jetzt für den Rest meines Lebens inkontinent sein?

 

Die Rettung durch den „dicken Schlauch“ 

Völlig übermüdet rief ich am nächsten Morgen beim Urologen an. Zum Glück durfte ich sofort kommen. Der Arzt hatte einen Verdacht: Beim Entfernen des Untersuchungsinstruments (Zystoskop) war die Schiene wohl in die Harnröhre gerutscht und blockierte nun den Schließmuskel.

Die einzige Lösung: Ein dicker Katheter (20 Ch.), der die Schiene wieder zurück in die Blase schieben sollte. Ich sage euch: Es gibt Schöneres, als sich in einer Arztpraxis so ein Ding legen zu lassen. Aber der Effekt war magisch. Kaum war der Katheter wieder draußen, merkte ich: Ich bin wieder dicht!

Diese Welle der Erleichterung war unbeschreiblich. Ich musste nicht mein Lebtag lang Windeln tragen. Wir konnten die restlichen, verschlossenen Packungen meiner „Inkontinenzausstattung“ tatsächlich wieder in die Apotheke zurückbringen. Ein kleiner Sieg nach einer Nacht voller Verzweiflung.

Das Ein-Liter-Wasser-Drama: Mein Schicksalstag in der Nuklearmedizin

25. Juni 2025

Heute um 9:00 Uhr war er da: Der Tag der Wahrheit. Das Date mit der Nuklearmedizin.
In meinem Kopf gab es nur ein Szenario: Die Niere hat sich erholt, der Professor in Hamburg gibt sein Okay für die DaVinci-OP, und dieser Albtraum aus Schienen, Schmerzen und den ständigen Antibiotika-Cocktails hat endlich ein Ende. Ich war bereit für das medizinische Wunder.

 

Vorglühen mit stillem Wasser

Die Vorbereitung auf diesen Termin war allerdings eine Challenge für sich. Die Ansage lautete: „Bitte trinken Sie schon am Morgen einen Liter Wasser.“
Einen Liter. Vor dem Frühstück.
Ich habe mir so unfassbar viel Mühe gegeben und das Wasser regelrecht in mich hineingeprügelt. In meinem Kopf hieß es: Trink, Michi! Je mehr du trinkst, desto toller wird dieses Szintigramm!“ Ich wollte quasi eine Goldmedaille in Nierenfunktion abräumen.
 

Die „Stresspipi“-Tour

Aber dann kam die logistische Meisterleistung: Wie überlebe ich eine 40-minütige Autofahrt mit einem Liter Wasser im Bauch und einer Niere, die ohnehin bei jedem Schlagloch „Hallo“ sagt?
Die Mädels unter euch wissen genau, wovon ich rede: Das Phänomen „Stresspipi“. Kaum sitzt man im Auto und weiß, dass man die nächste Zeit nicht auf Toilette kann, sendet das Gehirn das Signal: „JETZT! Sofort! Alles raus!“
Dazu kam, dass ich zum ersten Mal in diese Praxis fuhr. Adresssuche unter Zeitdruck mit einer Blase, die kurz vor der Kernschmelze steht – eine Kombination, die ich absolut niemandem empfehlen kann. Jede rote Ampel fühlte sich an wie eine persönliche Beleidigung des Schicksals.


Die Hoffnung im Gepäck

Während ich mich also durch den Verkehr kämpfte und versuchte, nicht bei jeder Bodenwelle das Auto zu fluten, kreisten meine Gedanken nur um das eine: Bitte, lass diese Niere heute zeigen, was sie kann. Lass die 15 Prozent Geschichte sein.
In der Praxis angekommen, war mein einziger Gedanke: „Wo ist die Anmeldung – und viel wichtiger: Wo ist das WC?“
Aber der eigentliche Krimi sollte erst noch beginnen...

 

Ein Bild, das mehr sagt als tausend Worte

Das ist es also. Das Ergebnis, auf das ich mit so viel Hoffnung gewartet habe. Für einen Außenstehenden sind es nur bunte Punkte auf einem Monitor – für mich ist es das Urteil über meine linke Niere.

Was ihr hier seht: Auf der einen Seite leuchtet es kräftig und hell – eine Niere, die arbeitet, die kämpft, die das tut, was sie soll. Aber auf der anderen Seite? Fast nichts. Nur ein schwacher, blasser Schatten. Ein blau-violetter Umriss, der zeigt: Hier passiert nicht mehr viel.

Die nackte Wahrheit: Dort, wo eigentlich helles Leuchten sein müsste, herrscht Stille. Dieses Bild ist der visuelle Beweis für die wenigen Prozent, die mein Leben in den letzten Wochen so bestimmt haben. Es ist der Moment, in dem aus einer bösen Vorahnung eine unumstößliche Gewissheit wurde.

Das 2-Prozent-Finale: Wenn die Niere den Ruhestand einreicht

9. Juli 2025

Der Anruf

Es gibt Anrufe, bei denen man schon am Klingelton spürt: Das wird kein lockerer Plausch über das Wetter. Als mein Urologe anrief, um mir das Ergebnis der neuesten Untersuchung mitzuteilen, war es so ein Moment. Ich hielt die Luft an und hoffte auf das große Comeback meiner Niere.

Das Ergebnis? Zwei Prozent.

Nicht zwanzig, nicht fünfzehn. Zwei. Ich saß da und starrte ins Leere. In der Schule wären zwei Prozent eine glatte Sechs mit Ausrufezeichen gewesen. In meinem Körper hieß es schlichtweg: Game Over. Mein linkes Sorgenkind hatte offiziell beschlossen, die Arbeit einzustellen und sich in den dauerhaften Vorruhestand zu verabschieden.

 

Treue Dienste und bittere Zahlen 

Zwei Prozent – das ist praktisch nichts. Ein homöopathischer Rest an Funktion. Ein Organ, das mein ganzes Leben lang still, treu und ohne sich zu beschweren gearbeitet hat, war am Ende seiner Kräfte. Die Hoffnung, dass die ganze Schinderei mit den Schienen, den Entzündungen und der literweisen Wasser-Zufuhr die Werte massiv verbessern würde? Pustekuchen.

Sofort fing das Gedankenkarussell an, seine Runden zu drehen:

Bedeutet das, sie ist jetzt wirklich verloren?

Gibt es da gar keinen „Reset-Knopf“?

Was macht mein Körper jetzt mit einem Fast-Nichts auf der linken Seite?

 

Der Abschied von einem stillen Begleiter 

Die Diagnose war unmissverständlich: Nephrektomie. Ein langes Wort für eine kurze Sache: Das Ding muss raus.

Als mir das so richtig klar wurde, schnürte es mir die Kehle zu. Es ist ein verdammt seltsames Gefühl, zu wissen, dass einem bald ein Stück von sich selbst genommen wird. Ein Organ, das Tag für Tag unbemerkt für mich geschuftet hat. Wie soll man da nicht traurig sein? Es fühlte sich an wie ein Abschied von einem alten Freund, der einfach nicht mehr kann.

 

Ruhestand statt Dauerbaustelle 

Aber wisst ihr was? Neben der Trauer schlich sich noch ein anderes Gefühl ein: Ein Hauch von Erleichterung. So schmerzhaft das Loslassen auch ist, ich hatte dieses permanente Theater so unfassbar satt. Diese quälenden Schmerzen, das ständige Bangen, die Ungewissheit.

Vielleicht ist diese radikale Lösung der einzige Weg zurück zu einem Stück Normalität. Die Niere hat aufgegeben, sie hat ihre Kündigung eingereicht. Aber ich? Ich habe noch lange nicht vor, den Hut zu ziehen.

Es ist ein Abschied – aber verdammt noch mal auch ein Anfang.

Hamburg ruft – und sagt wieder ab

4. August 2025

Jetzt wurde es ernst. Nur noch zwei Tage bis zur OP. Die Tasche fürs Krankenhaus war gepackt – wahrscheinlich mit viel zu viel Zeug, aber wer weiß schon, was man braucht, wenn man ein Organ abgibt?

Wir sind schon früher nach Hamburg gefahren, weil am Dienstagmorgen noch ein CT mit Kontrastmittel gemacht werden sollte. Die Ärzte wollten den genauen Gefäßverlauf sehen, damit bei der OP keine bösen Überraschungen warten.

6. August 2025

Um 12:00 Uhr war ich in der Klinik. Ich habe mein Zimmer bezogen, mich umgezogen – das volle Programm: OP-Hemd, Netzhose. Ich saß auf dem Bett, nüchtern, nervös, bereit abgeholt zu werden.

Stunden vergingen. Um 15:30 Uhr ging die Tür auf. Ein Assistenzarzt kam herein. Sein Gesichtsausdruck verriet schon alles: OP verschoben. Auf den 15. August. Ein Notfall war dazwischengekommen.

Ich war fassungslos. Da sitzt man da, fertig für den Eingriff, hat Hunger, hat Angst, hat sich mental verabschiedet – und dann heißt es: „Zieh dich wieder an, geh nach Hause.“ Keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich vorstellen, was das für einen bedeutet. Das Gedankenkarussell dreht sich weiter, die Schmerzen bleiben.

Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Wir haben entschieden: Wir bleiben bis Samstag in Hamburg und machen uns ein paar schöne Tage. „Zwangsurlaub“ mit Schmerzen.

Wir sind mit dem Wassershuttle nach Finkenwerder gefahren, waren am Elbstrand, in der Hafencity und im Portugieserviertel essen. Viel laufen war schwierig, die Blase brannte bei jedem Schritt. Ständig musste ich Pippi. Aber es war besser, als zu Hause an die Decke zu starren.

Zwischenstopp zu Hause

9. August 2025

Am Samstag ging es dann erstmal wieder nach Hause. Tasche auspacken, Wäsche waschen, Tasche wieder einpacken. Zu Hause ist es zwar schön, aber man hängt in der Warteschleife. Wirklich viel gemacht habe ich nicht. Nur Kleinigkeiten, die vor der OP noch erledigt werden mussten – und selbst das nur mit großer Überwindung.

13. August 2025

Zu Hause war es richtig heiß – 30 Grad. Ich hatte wieder Flankenschmerzen und habe mich nur in den Schatten an unseren Pool gelegt. Natürlich mit der obligatorischen Riesenflasche Wasser (spülen, spülen, spülen!). Ich habe gelesen, bin ab und zu ins Wasser gesprungen und habe versucht, die Nervosität wegzuschieben.

 

Kurs auf Hamburg: Ein Team gegen den Rest der Welt

Am nächsten Tag hieß es dann: Koffer ins Auto, tief durchatmen und ab Richtung Hamburg. Die Tasche stand schon fast von allein bereit – nach den unzähligen Anläufen der letzten Monate hatten wir beim Packen ja inzwischen eine Routine, auf die ich liebend gerne verzichtet hätte.

 

Support im Gepäck 

Matthy musste noch bis 15:00 Uhr die Stellung auf der Arbeit halten, während ich wahrscheinlich schon Löcher in die Uhr gestarrt habe. Aber dann: Abfahrt. Das Hotel in Hamburg war gebucht und Matthy hatte alles so organisiert, dass er die Tage nach der OP Homeoffice direkt aus dem Hotelzimmer machen konnte.

Einfach nur, um in der Nähe zu sein. Um nachmittags ans Krankenhausbett kommen zu können, ohne erst stundenlang über die Autobahn zu jagen. Ich kann euch gar nicht sagen, was für ein unglaublich gutes Gefühl das war. In diesem ganzen medizinischen Wahnsinn, zwischen OP-Plänen und Nierenwerten, nicht allein zu sein, war mein wichtigster Anker.

Wir zwei gegen die kaputte Niere. Hamburg, wir kommen – und diesmal bringen wir es zu Ende.

Das Finale in Hamburg: Wenn der Nebel sich lichtet

15. August 2025

Um 07:00 Uhr stand ich auf der Matte. Diesmal gab es kein langes Warten, kein Bangen, ob ein Notfall dazwischenkommt. Ich stand ganz oben auf dem Plan – die erste Patientin des Tages.

Überraschenderweise war ich fast schon unheimlich ruhig. Keine Panik, keine Tränen. Vielleicht war mein Körper nach acht Monaten Daueralarm einfach zu müde für eine weitere Panikattacke. Ich wusste: Das hier muss sein. Ich war in guten Händen und alles, was ich wollte, war ein Ende dieser unendlichen Geschichte. Ich wollte mein Leben zurück.

 

 

Der Tunnelblick 

 

Das typische Prozedere – OP-Hemd anziehen (dieses Mal das letzte Mal, hoffentlich!), Zugänge legen, die sterile Atmosphäre – ich nahm alles wie durch einen Schleier wahr. Ein klassischer Tunnelblick. Die Narkoseärztin war ein Engel, sprach ruhig auf mich ein und erklärte jeden Handgriff, während das Propofol seinen Weg in meine Venen suchte. Mein letzter Gedanke, bevor die Lichter ausgingen? „Bitte, lass es jetzt einfach gut sein.“

 

 

Kein Spaziergang, aber ein Sieg 

 

Als ich im Aufwachraum langsam wieder zu mir kam, sickerte die Wahrheit durch: Die OP war alles andere als ein Standard-Eingriff. Meine linke Niere hatte sich nicht kampflos verabschiedet. Durch die jahrelangen Entzündungen war alles stark verwachsen, dazu kamen noch zusätzliche Gefäßverästelungen, die den Chirurgen das Leben schwer machten.

 

 

Die Operation dauerte deutlich länger als geplant – ein richtiger Marathon für das Team. Aber das Wichtigste: Es verlief blutungsarm und, was noch viel wichtiger war: "Das Ding war raus."

 

 

Ein Neuanfang im Nebel 

 

Die kranke Niere war Geschichte. Weg. Final entsorgt. Trotz der Schwere des Eingriffs spürte ich unter dem Narkose-Nebel einen Funken Hoffnung. Das war der Moment, auf den ich acht Monate gewartet hatte. Der Rest des Tages verschwamm in einer Mischung aus Schmerzmitteln, kurzen Wachphasen und tiefem, bleiernem Schlaf.

Es war geschafft. Ein Stück von mir fehlte jetzt zwar, aber dieses Stück hatte mir ohnehin nur noch wehgetan. Ein neues Kapitel hat begonnen.

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